Im Gespräch mit... Geert Lucas

Auf dem Weg zu einer 'Smart Factory'

Wir treffen Geert Lucas, den ehemaligen Werksleiter von Industria, Indal und Philips in einem Gebäude, welches dem äußeren Anschein nach zu Philips gehört, aber seine eigene Identität immer behalten hat, nämlich Industria. Das konnte auch nicht durch das weiß-blaue Logo des Elektronik-Unternehmens aus Eindhoven überdeckt werden.

Die Logos von Philips verschwanden innerhalt von 2 Wochen aus dem Werk in Emmen und machten ab dem 01.01.2017 Platz für Chezz Partners, einer Unternehmensgruppe mit Beteiligungen in der High-Tech-Industrie, Sensortechnik und Kommunikationstechnik. Zwei Firmen haben nun hier ihren Sitz: Sustainder und Technologies Added. So sind die ersten Schritte gemacht worden auf dem Weg in die Fabrik der Zukunft. Geert Lucas: ”Wir werden eine Smart-Factory sein, die in ihrer Art einzigartig ist. Unser Ziel ist es, bis Ende 2017 wieder 50 Menschen Arbeit gegeben zu haben.” Und mit dieser Aussage erscheint wieder ein hoffnungsvolles Lächeln auf seinem Gesicht.

Sustainder Geert Lucas Emmen 20

Jetzt treffen wir uns hier in einer leeren Fabrik und es ist schwierig, sich vorzustellen, wie es vorher war. Wie viele Menschen waren hier beschäftigt?

"In unserer Hochzeit hatten wir mehr als 240 Arbeiter in mehreren Schichten. Wir haben hier großartige Jahre erlebt, in denen jährlich bis zu 370.000 Leuchten hergestellt wurden. Und das ist eine Menge! "

Seit wann gibt es die Fabrik in Emmen?

"Im Jahr 1961 wurde die Fabrik Industria Technische Verlichting BV eröffnet. Industria ist ein traditionelles Unternehmen aus Rotterdam, welches sich wegen der günstigen Grundstückspreise, staatlichen Fördermaßnahmen und den lokal zur Verfügung stehenden Arbeitskräften in der Provinz Drente angesiedelt hatte. In Emmen erweiterte man das Produktportfolio unter anderem in den Bereichen öffentliche Beleuchtung, Tunnel-, Schiffs- und Industrieleuchten. Wir hatten eine flexible Organisation, die sehr stark im Projektbereich und bei maßgeschneiderten Kundenlösungen war und sowohl Standard- als auch Sonderleuchten fertigte. Ein Unternehmen voller stolzer, fleißig arbeitender Menschen. Auch als Philips uns übernahm, bleibt das unsere Stärke, so dachten wir."

Sustainder Geert Lucas Emmen 4

Philips kam, und dann?

"Im Jahr 2012 übernahm Philips das leistungsstärkste Werk der Indal-Gruppe, des ehemaligen Besitzers. Die Akquisition sollte Philips neue Impulse geben. Nach der Akquisition wurde die Entwicklungsabteilung schnell nach Eindhoven verlagert. Zwei Jahre nach dem Kauf folgte dann die Ankündigung der Werksschließung. Die Produktion wird in Länder verlagert, in denen niedrigere Löhne gezahlt werden und die indirekten Kosten niedriger sind. Nach dieser Nachricht schwirrte mir der Kopf und ich wollte am liebsten alleine sein. Aber ich war in guten Zeiten dort, also musste ich es in schlechten Zeiten auch sein."

War es ein emotionaler Moment?

"Für mich und für alle anderen, schlug dies logischerweise ein wie eine Bombe. Es ging ja nicht nur um die Angestellten selbst, sondern auch um deren Familien für die sie ihren Lebensunterhalt hier verdienten. Aber das Besondere ist, dass es hier nie alleingelassene, unglückliche Menschen gab, wir waren selbst wie eine große Familie. Eine Familie mit viel Selbstvertrauen und positiver Energie. Bald schlug die Traurigkeit und Enttäuschung in Kampfgeist um. Und das ist bemerkenswert. Gemeinsam mit dem Betriebsrat, dem Management und allen anderen wurde von diesem Tag an die beste Lösung für alle Mitarbeiter gesucht. Gemeinsam sind wir in die Stadt Emmen gegangen, zum Landkreis und den nationalen Politikern in Den Haag, um für Unterstützung zu werben. Im April 2015 stellte die eingesetzte Task Force fest, dass eine Schließung nicht die einzige Alternative war, sondern Akquisitionskandidaten gesucht werden sollten. Im Dezember 2015 kam dann die Nachricht, dass das Werk endgültig schließen muss. Zwar gab es noch keinen Akquisitionskandidaten und es stand fest, dass Philips alle Mitarbeiter entlassen würde, aber es gab einen Hoffnungsschimmer am Horizont: Chezz Partner werden einen Neuanfang ermöglichen und zwei Unternehmen in der Kapitän-Grant-Straße ansiedeln, Sustainder und Technologies Added.

Sustainder Geert Lucas Emmen 23

Was werden Sustainder und Technologies Added künftig tun?

"Sustainder konzentriert sich auf die Entwicklung und den Vertrieb von intelligenten, energieeffiziente Straßenleuchten. Das Sortiment wird später um Produkte erweitert, die eine Rolle bei der Verwaltung der öffentlichen Räume und Infrastruktur im Rahmen von "Smart Cities" und "Smart Spaces spielen. Für Technologies Added wird die Fabrik für eine nachhaltige und umweltfreundliche High-Tech-Produktion umgebaut, die für verschiedene Technologieunternehmen produzieren wird."

Sustainder Geert Lucas Emmen 14

Wird ein Teil der alten Mitarbeiter wieder in diesen Unternehmen angestellt?

"Vor kurzem wurde bekannt gegeben, dass achtzehn ehemalige Philips-Mitarbeiter zu Sustainder und Technologies Added gehen. Wir wissen auch, dass ein Teil der Philips-Mitarbeiter einen neuen Job gefunden hat. Wie viele Mitarbeiter am Ende bei uns sein werden, ist auch von unserem Erfolg abhängig und noch schwer zu sagen. Das neue Unternehmen wird aber bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter, ehemalige Angestellte bevorzugen, was ich sehr empfehle. Denn ungeachtet der harten Einschnitte, die es hier gab, bin ich immer noch von deren Arbeitsmoral, Talent und Begeisterung für Technologie und Produkte beeindruckt."

Contact

Diesen Artikel teilen